auf Reise in Südamerika

mit Ute und Volker


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Ende einer Reise

Am 17. September fahren wir nach Montevideo, um unser Auto auf das Schiff zu verladen. Danach werden wir 4 Tage in Montevideo sein, um am 21. dann nach Deutschland zurückzufliegen.

Die Abwicklung mit Eukor ist wie angekündigt völlig problemlos, wir stellen das Auto schon mal im Hafen ab, erledigen die Formalitäten und finden uns um 13 Uhr zur Verschiffung ein. Im Auto bringt Volker noch einige Sicherheitsbänder an, und dann passiert es. Ein letztes Mal aus dem Auto, und unser Doppeltritt, zugegeben schon etwas angerostet, bricht zusammen – und Volker stürzt dadurch ziemlich ungebremst auf die rechte Seite und Schulter. Kreidebleich, aber der Arm lässt sich noch bewegen. Auch die herbeigerufene Notärztin stellt fest, dass es kein Bruch ist. Glück im Unglück, aber dennoch eine schmerzhafte Angelegenheit, die noch Wochen dauern wird. Aber das Auto kommt dann, nach Sicherheitsscan und Zoll, gut auf das Schiff. Leider neben die Baumaschinen, die in Dakar ausgeladen werden. Aber uns wird versichert, dass das Auto vor Dakar noch woanders hingestellt wird, so dass die Diebstahlgefahr (hoffentlich) nicht so groß ist.

Die letzen Tage in Montevideo verlaufen recht unspektakulär. Wir sind im Zentrum im Hotel Presidente untergekommen, so dass alles fußläufig ist. Aber Montevideo ist, verglichen mit Bueonos Aires eine sehr ruhige Stadt, natürlich auch nicht so spektakulär. Aber wir genießen die Ruhe, besichtigen das Zentrum, die Altstadt und den alten Hafen. Und am letzten Tag auch noch den Sonntagsmarkt in der Nähe der Universität. Hier wird wirklich alles verkauft. Obst und Gemüse, Federvieh und Haustiere, gebrauchte Elektronikartikel und sonstige Geräte. Im Reiseführer ist noch von einer Straße die Rede, in der der Markt stattfindet. Inzwischen ist es das gesamte Viertel.

Da wir nun jeden Tag essen gehen müssen, kommen wir noch in den Genuss von Grillplatte und Fleisch. Es ist nicht einfach, Alternativen zu finden. Allerdings werden wir im Cafe Oro del Rhin (Rheingold), von deutschen Einwanderern gegründet, fündig und essen dort auch gleich dreimal.

Tja, und dann ist es soweit. Taxi zum Flughafen, einchecken, warten – und dann über Sao Paulo wieder zurück nach Deutschland. Der Flug verläuft recht ruhig, und durch die Zwangsruhe und -dunkelheit während des Flugs nach Deutschland kommt man auch etwas zum Schlafen oder zumindest Ruhen, so dass wir zwar nicht völlig erholt, aber auch nicht übermüdet, in Frankfurt ankommen. Gerald holt uns vom Flughafen ab und werden zunächst mal die erste Nacht bei ihnen in Mainz verbringen.

Damit endet unsere Reise über 11 Monate, ca. 38.000 km und unendlich vielen Eindrücken. Reisemüdigkeit hat sich bei uns zu keinem Zeitpunkt eingestellt und wir wären gerne noch weitergefahren. So bleibt uns nur die nächste Reise zu planen und in Angriff zu nehmen. Nicht gleich, aber doch in absehbarer Zeit.

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Ein letztes Mal …

berichten wir aus Südamerika. Morgen werden wir das Auto am Hafen abgeben und für die letzten vier Tage ins Hotel in Montevideo gehen. Eukor hat es nochmals spannend gemacht und erst sehr spät bekannt gegeben, ob das Schiff nach Europa fährt oder direkt nach Südkorea zurückkehrt. Aber es hat sich wohl noch genügend Fracht gefunden, so dass sich der Weg über Europa lohnt. Wir sind recht froh, denn sonst wäre das Auto noch drei Wochen im Hafen rumgestanden. So bringen wir es selbst auf das Schiff und werden es dann 3 Wochen später in Bremerhaven auch selbst wieder vom Schiff fahren.

Die letzten zwei Wochen sind (gezwungenermaßen) recht gemütlich verlaufen. Uns hat auch die Lust gefehlt, nochmals eine große Runde durch Uruguay zu machen. Zudem ist der Sprit hier ziemlich teuer. Also fahren wir gemütlich an der Küste weiter, bei Punta del Este wird der Atlantik vom Mar del Plata abgelöst. Vorher raue See, hohe Wellen, danach dann alles etwas ruhiger. Aber die Küste gefällt uns hier sehr gut. Nach Punta Ballena (ohne Wale) geht es nach Piriapolis. Ehemals mondäner Badeort, wo sich die Reichen aus Buenos Aires vergnügt haben. Heute immer noch beliebt, aber im Moment ist tote Hose. McDonald hat sich verabschiedet: Bis zum nächsten Sommer. In Piriapolis treffen wir nochmals Martin, Tanja und Moritz. Die drei haben wir zuerst in Sucre und dann nochmals in Florianopolis getroffen. Sie bereiten sich ebenfalls auf den Abschied vor, sie haben das Auto hier verkauft und werden eine Woche vor uns in Montevideo sein.

Wir fahren an Montevideo vorbei bis Nueva Helvecia oder Colonia Suiza. Hier haben sich im 19. Jahrhundert Auswanderer aus dem Süden Deutschlands, aus Österreich, dem Elsaß und eben der Schweiz niedergelassen. Das historische Erbe wird noch sehr hochgehalten, auch wenn wohl nur noch vier Menschen Deutsch sprechen. Einer davon ist Herr Wullich, der uns durch das örtliche Museum führt. Seine Vorfahren sind aus Isny im Allgäu eingewandert. Wir finden dann sogar den Grabstein auf dem hiesigen Friedhof.

Ganz in der Nähe ist Colonia Valdense, das wie der Name schon sagt, von Waldensern gegründet wurde, die aus religiösen Gründen ausgewandert sind. Während die Schweizer Kolonie vorwiegend Vieh- und Milchwirtschaft betrieb, haben die Waldenser dann den Obst- und Gemüsebau mitgebracht. So haben sich die Kolonien wunderbar ergänzt. Und mit der Zeit dann auch untereinander geheiratet, wie wir den Grabsteinen entnehmen können. Aber es ist, ebenso wie die benachbarte Waldenser-Siedlung La Paz, doch ein kleines Dorf geblieben.

Einen Tag fahren wir auch nach Colonia del Sacramento. Wir hatten es schon vor neun Jahren besucht, aber es ist in Uruguay einzigartig mit seinen spanischen und portugiesischen Wurzeln. Zwar auch touristisch, aber es hat noch Charme. Und jetzt in der absoluten Nebensaison sind kaum Touristen zu sehen.

Jetzt sind wir wieder zurück und bereiten hier im Paraiso Suizo das Auto auf die Rückreise vor. Die Vorräte gehen zur Neige, auch das Gas ist ausgegangen, so dass wir nochmals den kleinen Campingkocher reaktivieren müssen. Ist aber ok, denn die Gasflasche muss für die Überfahrt völlig leer sein. Das ist sie. Also gibt es heute Tütensuppe, mehr ist nicht drin. Aber in den kommenden Tagen werden wir die hiesige Küche genießen, so dass sich das verschmerzen lässt. Gott sei Dank bekommen wir auf alle Restaurantbesuche 28 Prozent Steuernachlass und somit Rabatt, den der uruguayische Staat gewährt, um den Tourismus zu fördern. Da lässt sich das höhere Preisniveau in Uruguay besser verschmerzen.

Damit verabschieden wir uns aus Südamerika. Es wird noch ein Bericht über Montevideo folgen, aber den werden wir erst einstellen, wenn wir wieder in Deutschland sind. Wir hoffen, dass es denjenigen, die uns per Blog begleitet haben, Spaß gemacht hat, die Berichte zu lesen. Dafür waren sie gedacht.


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Oh, wie schnell die Zeit vergeht

Aber vielleicht liegt es nur daran, dass (für uns) der weitere Weg durch Brasilien nicht so spektakulär war wie andere Strecken und die Reise etwas dahingeplätschert ist. Jetzt haben wir Brasilien schon verlassen, nur noch knapp drei Wochen bis zum Rückflug, und hoffentlich nur noch 2 Wochen bis unser Auto auf dem Schiff seinen Weg zurück nimmt. Hoffentlich deswegen, weil das Schiff noch nicht bestätigt ist, dann müsste es das nächste Schiff nehmen, das aber erst am 9. Oktober Montevideo verlässt. Und würde 3 Wochen im Hafen stehen, zwar bewacht, aber es wäre dennoch ein Risiko. Wir hoffen.

Unser Weg (nach dem letzten Bericht) führt uns an der brasilianischen Küste entlang nach Südwesten, Richtung Curitiba, aber meist übers Land, denn die Küste selbst ist nur über Stichstraßen zu erreichen. Kurz vor Curitiba biegen wir nach Morretes ab und folgen einer alten gepflasterten Straße, der Ruta Graciosa, die in Serpentinen ca. 900 m einem Hochlandabbruch hinunter führt und so durch verschiedene Vegetationszonen kommt. Mittendrin ein kleiner Wasserfall, an dem kürzlich eine Opferzeremonie mit Kerzen, geköpftem Hahn und weiteren Brandopfern stattgefunden haben muss. Makumba lebt!

Von Morretes aus, einer Stadt mit einiger alter Bausubstanz und entsprechend touristisch, nehmen wir die Küstenstraße bis Sao Francisco do Sul, wo wir zwei Tage auf einem kleinen Camping verbringen, bevor wir dann wieder ins Landesinnere fahren, um uns „den“ Hochburgen deutscher Siedlungen in Brasilien zu nähern: Pomerode und Blumenau. Vermutlich liegt es an unserer falschen Erwartung, aber wir sind eher etwas enttäuscht. Nur wenige Häuser oder Höfe aus der damaligen Zeit, das meiste sieht aus wie in jeder anderen brasilianischen Stadt auch. Insbesondere Blumenau ist diesbezüglich enttäuschend. Eine ziemlich große und wenig attraktive Stadt, die wenigen historischen Gebäude liegen entlang einer Straße und werden allenfalls oberhalb der Ladenzeile erhalten. Was dann zu sehen ist, ist oft nur Dekoration, imitiertes Fachwerk. Dies könnte auch daran liegen, dass Blumenau in der Vergangenheit wohl regelmäßig von heftigen Überschwemmungen heimgesucht wurde und wahrscheinlich immer wieder neu aufgebaut werden musste.

Der Nimbus Blumenau stammt wohl hauptsächlich von dem alljährlichen Oktoberfest, nach München (und Stuttgart?) das größte Bierfest weltweit. Der Slogan ist „Chopp den ganzen Tag“ – choppen heißt Bier trinken. Hierfür sind wir zu früh, aber wir schauen uns natürlich die Villa Germanica auf dem Festgelände an. Kleine Flanierstraße im Fachwerkstil mit diversen Souvenirshops.

Das hiesige Museu da Familia Colonial ist in einem ehemaligen Wohnhaus untergebracht, eines der wenigen erhaltenen historischen Gebäude der Stadt. Im Wesentlichen die Gegenstände der Familien, die hier gewohnt haben, sozusagen die Oberschicht Blumenaus. Interessant, aber wir hätten gerne noch mehr über das Leben der „normalen“ Kolonisten erfahren. Insbesondere als wir erfahren, dass der berühmte Dr. Blumenau, der der Stadt seinen Namen gegeben hat, nach der Stadtgründung wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist – auf Wunsch seiner Familie, der das Leben im wilden Süden Brasiliens wohl zu viel wurde. Er konnte sich eine Rückkehr leisten, die meisten anderen Auswanderer hatten diese Wahl vermutlich nicht.

Weiter geht es, wieder zur Küste nach Florianopolis. Ziemlich große Stadt, sehr schön gelegen auf der Ilha de Santa Catarina und dem Festland, wobei der Teil auf dem Festland ständig wächst. Wir bleiben auf einem Campingplatz an der Ostküste der Insel einige Tage, weil er uns sehr gut gefällt. Er liegt in einem Naturpark und wird von jungen Leuten betrieben. Sie geben auch Kurse über die Flora und Fauna und ökologischen Gartenbau. Im Restaurant, gleichzeitig Kantine für die Beschäftigten, ist am Buffet alles Bio – und auch noch recht preiswert. Uns hat’s geschmeckt.

Etwas südlicher an der Praia do Rosa soll man ab August Wale beobachten können. Offensichtlich ist es aber noch zu früh, leider nichts zu sehen. Aber dann, wir wollen eigentlich weiter, die Überraschung: Eine Blattfeder am Auto ist gebrochen! Wir sind zwar fast nur noch Asphalt gefahren, aber auch die Asphaltstraßen Brasiliens haben ihre Tücken: Bumps, Schlaglöcher und vor allem tiefe Wellen, die die Kabine jedes Mal heftig auf die Federn drücken. Und dabei muss es wohl passiert sein. Die Halterung der Luftfeder ist dabei natürlich auch wieder gebrochen und muss nochmals geschweißt werden. Unser Campingplatzwirt kennt eine Werkstätte, und sie können alles tatsächlich auch gleich reparieren. Es stellt sich dann heraus, dass die Feder wohl zuerst zweimal angebrochen ist, was an der Korrosion der Bruchstelle sichtbar wird. Erst ein kleiner Riss, dann fast durch die halbe Feder, und jetzt ganz durch. Es dauert dann zwar den ganzen Tag, aber am späten Nachmittag haben wir die neue Feder. Es ist eine Nissan-Feder. Hat zwar die richtige Länge, aber die Biegung ist etwas anders. Vermutlich werden wir das in Deutschland nochmals ersetzen müssen, aber zumindest können wir weiterfahren.

Zunächst geht es weiter an der Küste hinab, bei Torres dann wieder ins Landesinnere. Hier, im südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul, gibt es drei Routen, die vielversprechend klingen: Rota Sinfonia da Naturaleza, Rota Romantica und Rota do Vino. Das ist doch was für uns: Natur, Romantik und Wein! Und es gefällt uns ganz gut, ins Landesinnere Richtung Sierra (Hochland) zu fahren. Zunächst geht es wieder ca. 800 m hoch, wir befinden uns hier quasi auf einer Hochebene oberhalb der Küste. Zuerst erreichen wir Canela, einen hübschen Ort mit schöner Kirche. Dann Gramado, wo wir auch übernachten. Gramado ist in Brasilien für sein Filmfestival berühmt. Man vergleicht sich schon mal mit Cannes. Entsprechend sehr touristisch, aber irgendwie doch mit Stil. Und erstaunlich viel los, obwohl keine Saison ist. Auch unser Camping ist besonders. Er erinnert mehr an einen deutschen Campingplatz für Dauercamper, mit eingezäuntem Areal und einer Holzhütte neben und über dem Campingwagen, mit Blumen und Figürchen im Vorgarten.

Abgesehen davon soll die Romantik wohl durch Dutzende Themenparks erzeugt werden, so unter anderem einem Snow Park, einem Dino Park, einem Park der berühmten Personen, der Eisenbahnen – reicht es? Uns schon. Man würde unbedingt arm, wollte man die alle besuchen. Wir beschränken uns auf einen Wasserfall, zu dem man über 710 Stufen kommt. Und sind ein kleines bisschen stolz, dass wir in unserem Alter die brasilianische Jugend beim Aufstieg locker hinter uns lassen.

Bei Nova Petropolis biegen wir auf die Weinstraße ab. Diese Region wird vor allem von den Nachfahren italienischer Einwanderer bewohnt, die den Weinbau mitgebracht haben. Immer wieder sehen wir von der Straße aus die Weinberge, wenn auch Wald und Wiesen überwiegen. Aber eine schöne Landschaft. Leider ist das Museu de Immigrantes in Bento Goncalves geschlossen. Es soll sehr gut sein, aber es wird wohl gerade komplett überarbeitet. Den brasilianischen Wein können wir übrigens nicht empfehlen, wir haben nach diversen Versuchen wieder auf den bewährten chilenischen und argentinischen zurückgegriffen.

Ein Stück weiter, in der Nähe von Teutonia, wollen wir übernachten. Wie der Name schon sagt, siedelten hier die deutschen Einwanderer, hier startet die Rota Germanica (die deutsche Straße). Der Campingplatz hat zu, blöd, weil unser „Nachschlagewerk“ ioverlander keine weiteren Hinweise gibt. Aber unser Navi kennt noch einen Campingplatz, den Camping Strate, ca. 8 km weiter. Dort ist zwar nichts von einem Campingplatz zu sehen, auch kein Hinweisschild, aber wir fragen trotzdem nach, ob wir nicht wenigstens über Nacht stehenbleiben können. Und dann stellt sich heraus, dass die Besitzerin, Ilsi Strate, noch deutsch spricht. Sie sagt „hunsrückisch“, das würde hier gesprochen, weil die Einwanderer aus dem Hunsrück gekommen wären. Wir denken natürlich sofort an die zweite Heimat von Edgar Reitz. Auch ihr Sohn spricht noch recht gut deutsch. Der Campingplatz wurde geschlossen, nachdem ihr Mann vor einem Jahr verstarb. Aber Toiletten und Dusche sind noch vorhanden, die wir benutzen können.

Am nächsten Morgen kommen Ilsi und ihr Sohn vorbei zum „erzählen“. Und so erfahren wir etliches über die deutschen Einwanderer hier in der Gegend. Ein Teil stammt wohl aus dem Hunsrück, aber etliche auch aus Westfalen, wie wir später den Grabsteinen auf dem Friedhof entnehmen können. Mit Ilsi und ihrer Nachbarin fahren wir auf den Friedhof. Hier sind die Nachfahren der deutschen Einwanderer begraben. Auf dem alten Friedhof, etwas weiter entfernt, finden sich dann die Gräber der ersten Einwanderer. Und daran kann man sehen, dass Ilsi nicht aus dem Hunsrück stammt, sondern eben aus Westfalen. Die Deutschen hätten sich in den Ebenen angesiedelt, die Italiener in den Bergen, wegen des Weins. Und viele sprechen hier immer noch Deutsch. Nur die junge Generation versteht zwar noch Deutsch, spricht es aber nicht mehr. Und vermutlich in der nächsten Generation ist Deutsch dann Geschichte. Ein spannender Morgen für uns.

Wir fahren zunächst weiter nach Porto Alegre. Wir wollen mal bei TAM fragen, was eine Verlegung unseres Rückfluges kosten würde. Das Schiff am 17.09. ist immer noch nicht bestätigt, und es gäbe ein früheres Schiff, das sicher fährt. Allerdings wollen wir dann nicht 3 Wochen im Hotel in Montevideo herumsitzen. Aber die Änderung des Termins soll, pro Person, 1.800 USD kosten! Fast das Doppelte, was Hin- und Rückflug gekostet haben. Natürlich undenkbar. Also bleibt erst mal alles beim Alten und wir müssen weiterhin hoffen.

Auf etwas abenteuerlichen Wegen, unser Navi leitet uns mitten durch Porto Alegre, geht es dann wieder Richtung Küste, mit Stopp auf einem netten Campingplatz an einem kleinen See. Der wirklich freundliche Besitzer züchtet Hunde und gibt Gaucho-Tanzkurse. Wir sind natürlich herzlich eingeladen daran teilzunehmen, lehnen aber wegen fehlender Stiefel und Hüte ab.

Überhaupt müssen wir sagen, dass die Brasilianer sehr nett, freundlich und auch interessiert sind. Zumindest erregt unser Camper hier deutlich mehr Aufmerksamkeit als in anderen Ländern, wir werden oft angesprochen. So trainiert man natürlich die Sprache, nach einigen Wochen ist uns (Ute) das Portugiesisch ziemlich geläufig.

Auf einer Landzunge, zwischen Atlantik und Laguna dos Patos, geht es weiter Richtung Südwest. Eine wunderschöne Gegend. Leider scheitern unsere Versuche an das Meer bzw. in die Parks zu fahren an den Überschwemmungen, die die außergewöhnlich heftigen Regenfälle im Juli hinterlassen haben. Weite Landstriche stehen immer noch unter Wasser, Kühe und Pferde stehen auf den Fazendas bis zum Bauch im Wasser und die Erdstraßen sind so nass, dass wir mit dem schweren Auto nicht hineinfahren wollen. Sehr schade, es muss eine absolut gute Gegend für Vogelbeobachtung sein.

Gott sei Dank gibt es am Ende der Landzunge die Fähre nach Rio Grande tatsächlich, unsere Karte und der Reiseführer waren da nicht so eindeutig. Jetzt könnte der mit 200 km längste Strand der Welt folgen, aber es führt nur eine Sandstraße entlang. Und jetzt, nach dem vielen Regen, ist die für unser schweres Auto nicht zu befahren. Also gemütlich die Asphaltstraße runter Richtung Grenze. Nach ca. 100 km kommen wir durch ein Naturreservat mit Feuchtgebieten, weitestgehend überschwemmt wie im Pantanal. Deswegen wird es auch Pantanal Gaucho genannt. Wir sehen Störche, Reiher, Enten und Gänse und jede Menge Wasserschweine. Aber die Kaimane, die es hier auch geben soll, machen sich rar. Noch einmal schlafen, und dann sind wir an der Grenze nach Uruguay angelangt. Wir waren fast 2 Monate in Brasilien, viel länger als ursprünglich geplant, haben aber nur einen Bruchteil des riesigen Landes gesehen. Vermutlich hätten wir ein weiteres Jahr nur für Brasilien gebraucht. Aber dazu konnten wir uns dann doch nicht entschließen.

Am 26.08. überqueren wir die Grenze, der Grenzübertritt ist völlig problemlos. Nicht nur das. Am uruguayischen Zoll dauert es etwas länger, weil die Datenverbindung so schlecht ist. Und der Zöllner entschuldigt sich bei uns für die Verzögerung. Das hatten wir noch nicht erlebt! Dafür scheint es mit dem Geldabheben schwieriger zu sein, denn der Geldautomat in Chuy, der Grenzstadt, will uns nur 100 uruguayische Pesos geben, das sind etwa 3,40 EUR. Offensichtlich kann man in Uruguay nicht von allen Bankautomaten Geld mit der Kreditkarte abheben, wie wir es bisher gewöhnt waren. Wir müssen am Bankschalter mit viel Bürokratie unser erstes Geld hier in Uruguay beziehen.

Dann aber kann es weitergehen, nur ein kurzes Stück bis in den Park Santa Teresa. Sehr schöner Campingplatz, sehr weitläufig, mehrere Campingbereiche und Gott sei Dank wenig los. In den Sommermonaten sollen hier bis zu 8.000 Menschen campen! Uns gefällt es so gut, dass wir erst mal fünf Tage bleiben. Spazierengehen am Strand, auch wenn keine Wale zu sehen sind. Und wir besichtigen die hiesigen Festungsanlagen, wir befinden uns im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Spanien und Portugal, und entsprechend wurde das Land hier gesichert. Das Fortaleza San Miguel wollen wir an einem Montag besichtigen, leider geschlossen. Aber der Museumsdirektor ist gerade zugegen und veranlasst, dass für uns das Tor geöffnet wird. Und dass wir auch das nahegelegene Museum besichtigen dürfen. Für so weit gereiste Touristen. Vielen Dank!

In zwei weiteren Etappen sind wir dann kurz vor Montevideo hier gelandet, in Piriapolis. Immer entlang der Küste, die uns hier in Uruguay sehr gut gefällt. Sie ist etwas wilder und ursprünglicher, und die Orte sind gepflegter. Zwar werden diese vorwiegend in den Sommermonaten bevölkert und sind deshalb jetzt fast menschenleer, aber sie haben Charakter. Und Piriapolis ist schon fast mondän mit den alten Hotelanlagen, der Strandstraße und dem Casino. Hier haben früher die Reichen aus Buenos Aires ihre Sommerferien verbracht. Von der Pracht ist noch etwas erhalten.

In der verbleibenden Zeit möchten wir noch eine kleine Runde durch Uruguay machen. Hoch an den Rio de la Plata und dann in kleinen Etappen zurück nach Montevideo. Wenn es klappt wie wir hoffen, dann werden wir in einer Woche unser Auto für die Rückreise herrichten, am 17.9. dann nach Montevideo fahren und die letzten Tage uns die Stadt anschauen. Vermutlich lest ihr dann den letzten Bericht unserer Reise.


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Deutschland – Brasilien 7:1

Das brasilianische Trauma. Wir hatten an dieses Spiel schon lange nicht mehr gedacht, aber hier in Brasilien kann man es nicht vergessen. Wenn wir mit Brasilianern sprechen, gefragt werden, woher wir kommen und „aus Deutschland“ antworten, dann kommt sofort: Deutschland-Brasilien 7:1. Gott sei Dank nehmen sie es hin ohne schwermütig zu sein, die Brasilianer sind Optimisten.

Google Maps

 

Von Bolivien aus sind wir bei Corumbá nach Brasilien eingereist. Das hat uns 5 Stunden gekostet, zum ersten Mal, dass die Grenzabfertigung so lange dauerte. Und völlig unverständlich, denn wir brauchten dann kaum eine Minute, bis wir unsere Stempel im Pass hatten. Deshalb verbringen wir unsere erste Nacht in Brasilien vor dem Kulturzentrum, Gott sei Dank mit Sicherheitsdienst und recht ruhig.

Dann machen wir uns auf den Weg ins Pantanal. Schon kurz nach Corumba zweigt die „Estrada Parque Pantanal“ ab. Bereits nach wenigen Kilometern befinden wir uns in den Überschwemmungsgebieten, die Straße verläuft auf einem Damm, links und rechts Tümpel und Feuchtgebiete, und die ersten Brücken über Flüsse oder Verbindungen der einzelnen Seen und Tümpel tauchen auf. Und die großartige Tierwelt. Viele Vögel, und dann auch die ersten Kaimane und Alligatoren. Fast bei allen Brücken halten wir an, bestaunen die doch sehr gelassenen Echsen, die sich von uns nicht von ihrem Sonnenbad abhalten lassen. Das Pantanal hat mehr Kaimane und Alligtoren als der Amazonas – und das merkt man. Teilweise liegen sie eng beieinander. Zuerst sehen wir 6 – 10 Echsen, später dann über 30. Wir machen uns schon einen Scherz daraus und sagen, erst ab 50 Krokodilen wird gehalten. Dazu noch Wasserschweine, Reiher, der Tuitui, der Storch des Pantanals, und Papageien. Es ist gut, dass wir nicht am Tag zuvor weiterfahren konnten, denn so haben wir den ganzen Tag für die ca. 100 km und können uns Zeit lassen. Tagesziel ist die Pousada Santa Clara. Sie wurde uns von einem holländischen Ehepaar in La Paz empfohlen.

Nächste Station ist Bonito, obwohl nicht klar ist, ob wir dort eine Schnorcheltour in den glasklaren Flüssen buchen können. Es sind Schulferien und Hochsaison. Zunächst sieht es auch so aus, dass wir Pech haben. Aber im HiHostal, wo wir uns unterstellen können, kann uns die dortige Agentur kurzfristig eine Schnorcheltour im Rio do Prata anbieten, weil ein Paar abgesprungen ist. Genau das wollten wir machen! Man muss auch mal Glück haben.

Am nächsten Morgen fahren wir bereits um 7 Uhr zur Fazenda, die etwas 65 km entfernt ist. Um 9 Uhr müssen wir da sein, und ein Teil der Straße soll nicht gut sein. Gott sei Dank, denn tatsächlich sind ca. 20 km in so jämmerlichen Zustand, dass wir nur im ersten Gang fahren können. Davor und dahinter Asphalt, aber dieses Stück wurde noch nicht gebaut. Rote Erdstraße, tiefe Löcher und Regenrinnen. Dann dauert es doch noch etwas bis wir starten, ausgestattet mit Neoprenanzug, Taucherbrille und Schnorchel. Volker hat sich eine Unterwasser-Kamera geliehen, dort wird sich das Leben ja abspielen.

(Hier sollte statt Bildern ein Video auf Youtube eingefügt werden. Leider dauert das zu lange, vielleicht später dann.)

Nach kurzer Fahrt mit dem Pickup und etwa 2 km Anmarsch durch den Auenwald kommen wir dann zum Startpunkt. Bereits im ersten Becken schwimmen Schwärme von großen Fischen um uns herum, das Wasser ist tatsächlich glasklar. Und dann geht es ca. 1,4 km mal sehr gemächlich, mal etwas flotter, den Fluss hinunter. Hier ist das Wasser nur sehr flach, teilweise streifen die Wasserpflanzen am Körper entlang. Die Fische lassen sich von uns nicht stören, stöbern im Flussgrund, schwimmen an uns vorbei als ob wir nicht da wären. Ute vergleicht mit Schnorcheln im Riff in Kenia, da kann es natürlich nicht mithalten, aber es hat sich gelohnt.

Das Pantanal hat uns so gut gefallen, dass wir jetzt auch in den nördlichen Teil wollen, auch wenn das nochmals 1.000 km sind. Aber da wir auch nach Belo Horizonte wollen, eine Empfehlung von Daniel und Rosa, zwei Brasilianer, die wir in Sucre getroffen haben, kommt es darauf auch nicht mehr an. So lernen wir auch die Auto Posto kennen, große Tankstellen, die auf Fernfahrer eingerichtet sind und somit Toiletten, Duschen und Restaurant immer mit dabei haben. Ist zwar recht laut, aber mit der Zeit wachsen uns die Trucker richtig ans Herz. Wir fühlen uns dort sicher und gut aufgenommen in die große LKW-Fahrer Gemeinde. Und stecken einen Tag im Stau. Sechs LKWs haben sich nachts ineinander verkeilt und die Straße blockiert. Wir warten bis nachmittags, stellen uns dann aber an die Straße und übernachten dort direkt neben einer Straußenfarm.

Südlich von Poconé machen wir Halt auf der Pousada Portal Paraiso. Sehr schön gelegen, ruhiger Platz, Internet und Swimming Pool. Und Kaimane und Feuchtgebiet mit unendlich vielen Vögeln direkt vor der Nase. Wir können direkt vom Auto aus kleine Exkursionen machen, es sind Wege angelegt, die man hier auch alleine begehen kann. Auch hier wieder die ganze Palette der Tierwelt. Nur Anaconda und Jaguar machen sich rar. Letzteren gibt es hier noch im Pantanal, aber eben weit weg von menschlichen Ansiedlungen. Wir fahren noch ca. 30 km in das Pantanal hinein, aber die Transpantaneira ist bei weitem nicht so spektakulär wie die südliche Estrada. Und von Schweizern erfahren wir, dass sie zwar bis ans Ende der Straße gefahren sind, aber auch nicht viel mehr gesehen haben.

Der weitere Weg führt über die Chapada de Güimaraes östlich Richtung Belo Horizonte. Die Chapada ist eine Hochebene mit einem Randabbruch von 300 m, vergleichbar mit der Schwäbischen Alb. Entsprechend fällt unsere Begeisterung auch nicht so groß aus wie die des Reiseführers. In 5 Tagesetappen nähern wir uns Belo Horizonte. Ziel ist nicht die Millionenstadt selbst, sondern die Barockstädte in Minas Gerais südlich von Belo Horizonte. Sie sind etwa um 1700 gegründet worden und sind noch weitgehend erhalten geblieben – inklusive der mit Steinplatten ausgelegten Straßen, die uns mit unserem Auto nicht immer so erfreut haben, ebenso wie die Steilheit der Straßen. Mitunter waren wir bereits am Überlegen, ob wir jetzt den Allrad und Untersetzung einlegen sollen, oder ob es noch so geht. Die Städte sind natürlich historische Perlen für Brasilien, und so sind sie heute auch touristisch erschlossen und überlaufen. Ouro Preto, das „Schatzkästchen“ der Region, ist völlig auf Tourismus eingestellt, eben Freilichtmuseum. Mariana, die weitaus weniger besuchte Nachbarstadt, hat uns da schon besser gefallen. Weiter südlich besuchen wir noch Tiradentes, deren Stadtkern – ohne Autoverkehr – Kulisse für eine Telenovela war und deshalb ebenfalls von Touristen überrannt wird. Für Brasilien sind das aber sicher historische Kleinode und man kann sich die Zeit vor 300 Jahren gut vorstellen. Und erleben einen kleinen Umzug, der von Gruppen mit afrikanischen Ursprung durchgeführt wird.

Wir halten noch in Congonhas, um die dortige Basilika zu besichtigen. Vor der Kirche stehen die von Aleijandinho (DEM Bildhauer und Architekten der damaligen Zeit der hiesigen Region) geschaffenen zwölf Apostel. Sehr beeindruckend, sowohl Kirche als auch Statuen. Sehr ungewöhnlich die Gestik und Mimik der zwölf Apostel. Haben uns sehr gut gefallen. Von hier aus fahren wir in einem Rutsch nach Rio.

Da wir kein Hotel mit Garage finden, in welche unser Auto passt, übernachten wir ca. 35 km außerhalb des Zentrums. Es ist ein Trailer-Park, auf dem Brasilianer fest wohnen. Keine Sozialfälle, sondern (zumindest auch) brasilianische Mittelschicht. Sie können sich die teuren Mieten hier in Rio nicht leisten. Eine der Familien hat in München 8 Jahre gelebt und gearbeitet, jetzt wohnen sie hier und sparen darauf, dass sie wieder nach Europa können. Hier in Rio, in Brasilien, ist es ihnen zu gefährlich mit zu wenig Chancen. Ein Einzelfall?

Rio selbst ist für uns eine Enttäuschung. Schon am Tag davor bei der Einfahrt sind wir an etlichen Favelas vorbeigekommen, was wir von der Straße sehen konnten war viel Armut und Dreck. Dazu der Gestank nach Abwässern. Es braucht mit dem Bus fast 2 Stunden, bis wir an der Copacabana rauskommen. Ein Stadtstrand, Strandleben, aber auch nicht berauschend. Allerdings ist hier jetzt Winter und auch wenn die Temperaturen so bei 26 Grad liegen eben kein Sommerfeeling. Dazu kommt, dass Rio wolkenverhangen ist, die Spitze des Zuckerhuts liegt in den Wolken, um die Christusstatue liegen auch dicke Wolken, auch wenn die Statue selbst frei ist. Trotzdem wollen wir es wagen und zum Corcovado hochfahren, um eventuell den tollen Blick über Rio zu haben. Wer weiß, vielleicht reißen die Wolken ja noch auf. Leider ein hoffnungsloses Unterfangen. Der Zug ist ausgebucht, wir könnten frühestens um 16.40 fahren. Also nehmen wir ein Sammeltaxi, müssen dann aber bei der Zahlstation feststellen, dass es oben nochmals eine Stunde Wartezeit gibt. Auch hierfür fehlt uns die Zeit, denn wir müssen ja noch die 2,5 Stunden zurück zum Campingplatz rechnen. Also Abbruch. Es tröstet etwas, dass die Wolkendecke sich nicht auflöst und wir vermutlich sowieso nichts gesehen hätten. Also zurück zur Copacabana, dann wenigstens zu Fuß bis nach Ipanema. Hier steht das brasilianische Trauma nochmals gemalt an der Wand: Deutschland ist Weltmeister und das Spiel Deutschland-Brasilien endete 7:1. Zurück nehmen wir den Bus 382, den uns die Campingwirtin empfohlen hat, er soll direkt vor dem Campingplatz halten. Allerdings braucht der so lange, dass wir nach 2 Stunden Stehen im vollbesetzten Bus bei einbrechender Dunkelheit abbrechen und für 35 Reais mit dem Taxi zum Campingplatz fahren.

Nun fahren wir an der Küste entlang und sind kurz vor Sao Paulo bzw. Santos. Zunächst entlang der Costa Verde, sehr schöne Landschaft, viele Buchten und vorgelagerte Inseln, viel Grün. Leider sind wir nicht die Strandmenschen, sonst könnten wir die vielen Strände sicher besser genießen. Halt in Parati mit historischer Altstadt am Meer. Von hier aus wurde das Gold und Silber aus Ouro Preto nach Portugal verschifft. Und wenn die Flut kommt, werden die Gassen vom Meerwasser überspült. Gott sei Dank gibt es auch Fußwege, die etwas höher liegen. Sehr schön, aber auch touristisch, so wie Ouro Preto auch.

Jetzt sind wir schon etwas südlicher angekommen auf einem sehr schönen und ruhigen Campingplatz und entspannen uns erst mal. Da er (selten!) auch eine gute Internetverbindung hat, erledigen wir, was zu erledigen ist. Mails checken, Rücktransport des Autos organisieren, Blog aktualisieren etc. Morgen fahren wir weiter, über Curitiba nach Blumenau und Pomerode, dann Florianopolis und dann vermutlich in einem Rutsch nach Montevideo. Das Schiff fährt nun doch etwas früher und wir müssen das Auto ja noch reisefertig machen.

 


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Spröde Schönheit

Erster Halt in Bolivien ist Copacabana am Titicacasee. Nur damit keine falschen Vorstellungen entstehen: Der Ort hat seinen Namen nicht nach dem weltberühmten Strand in Rio bekommen, sondern es ist genau umgekehrt. Weil dort am Strand in Rio eine Kapelle steht, die er Heiligen Jungfrau von Copacabana in Bolivien gewidmet ist, erhielt der Strand den Namen. Dass Copacabana Wallfahrtsort ist merkt man an der Kirche, die für den kleinen Ort überdimensioniert erscheint, aber an den Wallfahrtstagen wohl gefüllt wird.

Ursprünglich wollten wir von hier aus auf die Isla del Sol und dort eine kleine Wanderung unternehmen. Hier sollen die Inka von den Göttern auf die Erde gebracht worden sein. Die Insel soll sehr schön sein, mediterranen Charakter haben. Aber es stellt sich raus, dass die Anreise mit dem Schiff recht aufwändig ist und ein oder zwei Tage auf der Insel übernachtet werden muss. Nach langem Überlegen verzichten wir dann auf die Insel und spannen stattdessen aus, bevor wir uns nach La Paz aufmachen.

Der Weg dorthin ist nicht weit und führt nach kleineren Pässen über den Titicacasee. Ein kleiner Kahn, auf den gerade mal zwei Autos passen und der von einem Außenbordmotor angetrieben wird, bringt uns ans andere Ufer. Hartmut, den wir in La Paz wiedertreffen werden, vermutet, dass die Lastkähne nicht schneller fahren dürfen, damit der Wellengang sie nicht umkippt.

Gottseidank haben wir die Umleitungsempfehlung für La Paz und lassen uns vom Navi um die Altstadt herumführen. So kommen wir doch recht zügig ins Hotel Oberland, DEM Treffpunkt für Overlander hier in La Paz. Hartmut berichtet, dass er durch die Stadt gefahren ist, dafür vier Stunden gebraucht hat und bei den steilen Straßen hier irgendwann mit Reduktion im ersten Gang den Berg runterfuhr, nachdem die Bremsscheiben anfingen zu glühen. Das alles ist uns erspart geblieben.

La Paz selbst hat uns nicht sonderlich gefallen. Viel Mischmasch, wenig alte Bausubstanz, eine große Stadt mit wenig eigenem Charakter. Vielleicht war uns die Luft auch zu schlecht und die dauernden Steigungen zu viel – immerhin ist man hier auf ca. 3600 m unterwegs. Wir haben Vorräte aufgefüllt und versucht, den Blog mit Bildern anzureichern – was uns leider nicht gelungen ist. Und wir haben hier die Lagunen- und Salzsee-Tour gebucht. Nachdem wir von Belgiern erfahren hatten, dass sie dort nachts bis zu minus 20 Grad hatten, wollten wir es nicht darauf ankommen lassen, mit unserem Auto morgens nicht mehr starten zu können. Wir haben zwar eine Kraftstoff-Heizung, aber nachdem das Auto in dieser Höhe und bei Kälte trotzdem seine Probleme hatte, wollten wir es nicht auf die Spitze treiben. Zudem sollen die Wege zum Teil abenteuerlich sein, und schon wieder auf 60 km oder mehr im ersten Gang hatten wir keine Lust. Eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte.

Im Hotel Oberland wird es zunächst mal recht eng, weil bis zu 7 Overlander hier Platz finden müssen. Der Vorteil ist, dass die Nachrichtenbörse bestens funktioniert. Wir bekommen Infos über die Lagunenroute, aber auch über Brasilien und unseren weiteren Weg. So können wir dann nach vier Tagen gut informiert unsere Weiterfahrt starten.

Nächstes Ziel ist Tupiza, dass wir in zwei, spätestens drei Tagen erreichen wollen. Es sind mehr als 800 km. Aber die Straße ist ausgesprochen gut, so dass wir den ersten Übernachtungsplatz auslassen und einen Platz nach Challapata am Stausee anpeilen. Ging auch deswegen so fix, weil die Strecke vorwiegend über den Altiplano führt, auf und ab, mit spärlichem Bewuchs, aber trotzdem nicht nur Lamas zu sehen sind, auch Kühe. Und immer wieder Felder mit Kartoffeln, Quinoa und manchmal auch Mais – bei bis zu 4.000 m Höhe.

Tags darauf geht es bis Potosí dann doch recht auf und ab, über mehrere Pässe und in vielen Kurven. Am Ojo del Inca, einem See, der von heißen Quellen gespeist wird, möchte Ute gerne ihren Rücken entspannen. Aber die äußerst unfreundliche Dame möchte schon Geld dafür, dass wir das Gelände überhaupt betreten haben, so dass wir dankend ablehnen. Jetzt steile 600 m hoch und wir sind in Potosí (liegt auf 4000 m) mit dem Cerro Rico. Aber heute nur als Durchfahrt, auf dem Rückweg wollen wir länger bleiben. Weiter dann, in stetigem Auf und Ab, fahren wir immer südlich bis Tupiza. Es wird zwar schon dunkel, aber wir erreichen das Refugio del Turista noch rechtzeitig. War ein langer Fahrtag, aber so haben wir noch einen ganzen Tag, um uns auf die Lagunenroute vorzubereiten.

Tupiza selbst ist ein recht quirliges Städtchen, das uns ganz gut gefällt. Auf dem Stadtplatz präsentieren sich verschiedene Schülergruppen, die zeigen, dass man den vielen Plastikmüll und die Plastikflaschen auch recyceln und anders nutzen kann.

Und dann geht es los. Morgens kurz nach acht werden wir abgeholt. Pauli, unser Fahrer, Edu, die Köchin sowie Pauline und Nicolas aus Frankreich im Landcruiser (Benziner). Bereits im Ort beginnt die rough road und führt dann durch eindrucksvolle rote Bergmassive, die Sillars. Bis zu den Lagunas geht es in stetem auf und ab, in kurvenreicher Strecke hoch und runter. Mittagspause in einer kleinen Ortschaft, Edu zaubert ein Mittagsmenü mit Suppe und Hauptgang. Und Nachtisch. Erste Nacht dann in einem Hostal – very basic. Ein Zimmer mit vier Betten, eng, natürlich keine Heizung. Abendessen im Vorraum, und es ist kalt. Es gibt mehrere Decken, wir haben zusätzlich zu unserem Schlafsack nochmals einen weiteren bei TupizaTour gemietet – und dann wird das alles über uns ausgebreitet. Morgens sind es 6 Grad, gefühlt aber bereits unter Null.

Gestern war viel Fahren angesagt, heute wird die Fahrt unterbrochen von diversen Sehenswürdigkeiten. Nach dem Eintritt in den Nationalpark – kostet stolze 150 Bolivianos pro Person, ca. 20 EUR – geht es vorbei am Cerro Colorado und an der Desierto de Dalí. Bei letzterer ist nicht klar wer Ideengeber war: Hat Dalí die Gegend besucht und dann seine Bilder gemalt oder wurde die Wüste nach den Bildern benannt.

Und dann bereits die ersten Lagunen, teilweise am Rand zugefroren. Bei manchen wird Salz oder Soda abgebaut, allerdings alles in Handarbeit. Eine Frau ruht sich gerade von der schweren Arbeit aus, als wir die Lagune besuchen. Am Rand stehen abgefüllte Säcke, keinerlei Maschinen, die bei der schweren Arbeit unterstützen könnten. An der Thermalquelle in Polques fahren wir zunächst vorbei, wir werden auf der Rückfahrt Rast machen. Weiter geht es zur Laguna Verde, nahe der chilenischen Grenze. Vor etwa fünf Monaten sind wir auf der chilenischen Seite, nur 15 Minuten von hier entfernt, entlang gefahren. Aber damals war ein Unwetter im Anmarsch und über der Laguna und dem Volcano Licancabur brauten sich Regen- und Hagelwolken zusammen. Wir sind etwas früh, so dass wir nicht mehr erleben, wie sich die Laguna um die Mittagszeit durch die Sonneneinstrahlung grün färbt. Schade, dass TupizaTour das Timing nicht besser hinbekommt. Zurück zur Thermalquelle, an der wir erst mal ein Bad nehmen. Wunderbar warm bei recht kalten Außentemperaturen. Nach dem Mittagessen dann weiter zu den Geysiren von Sol de la Mañana. Es brodelt und zischt wie in der Hexenküche, blubbert in den Schlammlöchern und spritzt Schwefel und Kalk in die Luft.

Die weitere Straße wird ziemlich ruppig und wir sind froh, dass wir nicht mit unserem schweren Auto gefahren sind. Wir hätten vermutlich vier mal so lange gebraucht, mal ganz abgesehen davon, dass wir bei den Minustemperaturen am Morgen eventuell nicht losgekommen wären und so wie andere erst mal mit Hilfe der Sonne den Motorblock aufwärmen hätten müssen.

Am späten Nachmittag erreichen wir dann die Laguna Colorada. Eine riesiger See, der sich uns in knalligem Rot zeigt. Mit vielen Flamingos, die mit ihren Schnäbeln durch die flache Lagune graben. Oben auf dem Parkplatz die ca. 15 Tour-Fahrzeuge. In der Hauptsaison stehen hier bis zu fünfzig Fahrzeuge. Also von beschaulicher Einsamkeit im bolivianischen Hochland kann hier keine Rede sein, auch jetzt nicht mehr. Ganz in der Nähe ist unser Hostal für die kommende Nacht. Diesmal zwei Zimmer, und während des Abendessens wird sogar ein kleiner Ofen angemacht, der allerdings allenfalls zwei Meter weit strahlt, wir merken nicht viel davon. Nachts dann draußen weit unter Null Grad, bei uns im Zimmer vier Grad plus.

Heute steht wieder viel Fahren an, denn die nächste Unterkunft ist dann direkt am Salar de Uyuni. Kurze Station am Arbol de Piedra, eine Fahrt durch eine enge Schlucht (Canyon del Inca) mit Viscachas, ein Wald von versteinerten Korallen. Das Altiplano war einmal ein Meer. Durch die pazifische Platte wurde der Boden bis auf die heutigen 4.000 m angehoben,so dass man heute versteinerte Korallen und Algen finden kann. Heute übernachten wir in einem Salzhotel, wobei damit lediglich gesagt ist, dass statt Adobeziegeln Salzblöcke als Baumaterial verwendet werden. Aber mit Dusche und Fernseher (Bolivien verliert gegen Chile im Copa America – oh weh), und nachts bei erträglichen Temperaturen.

Schon um fünf ist Aufstehen, um viertel vor sechs, noch bei völliger Dunkelheit und ohne Frühstück, fahren wir auf den Salzsee von Uyuni. Der Einstieg ist etwas schwierig, zum ersten Mal wird der Allrad eingeschaltet. Aber dann geht es rasant immer Richtung Norden, zur Isla Incahuasi. Wir erreichen sie noch vor Sonnenaufgang, so dass wir, nach flottem Anstieg, von oben über den gesamten Salzsee blicken können. Bis zum Horizont alles weiß, fast schon wie in der Antarktis. Nach einem Spaziergang über den Salzsee und Frühstück geht es dann Richtung Uyuni über den See. Nicht ohne einen Stopp, um die obligatorischen Fotos zu machen, bei denen durch das völlige Weiß die Entfernung verschwindet. Pauline und Nicolas knipsen was das Zeug hergibt, wir sind gespannt auf die Bilder. Eines auch von Volker und unserem Tourauto, dann geht es weiter zum Ausstieg bei Colchane, vorbei am neuen Salz-Denkmal zur Rallye Dakar, die auch dieses Jahr wieder am Uyuni-See entlangführte. (Die Südamerikaner sind mächtig stolz auf die Rallye Dakar). Ein letzter Stopp beim Eisenbahn-Friedhof in Uyuni, dann Mittagessen und die Tour ist zu Ende.

Wir fahren noch mit Pauli und Edu zurück nach Tupiza, nochmals fast sechs Stunden Fahrtzeit. Auch, weil wir unterwegs einen Platten haben und der Kühler nicht richtig arbeitet. Edu hatte uns erzählt, dass bei einer der letzten Touren der Kühler gekocht hatte und „explodiert“ sei. Das hält bei uns die Spannung hoch, ob uns dasselbe passiert. Aber Gottseidank hält alles, und wir erreichen bei Dunkelheit Tupiza und schlafen diese Nacht wieder in unseren eigenen „vier Wänden“.

Am kommenden Tag gönnen wir uns einen Ruhetag, auch weil es Sonntag ist und wir erst am Dienstag in Potosí das dortige Geldmuseum besuchen können. Erst mal alles wieder in Ordnung bringen, nochmals eine Runde durch die Stadt, Eis essen gehen. Dann fahren wir wieder zurück nach Potosí. Das Hostal Copacabana finden wir recht zügig, auch wenn die Straßen durch die Stadt abenteuerlich eng sind. Wir können auf dem abgeschlossenen Parkplatz übernachten. Am kommenden Tag besuchen wir zunächst das dortige Geldmuseum, viel Geschichte zum Silberabbau und der Münzprägung hier in Potosí. Danach ein kleiner Stadtrundgang, Blick von oben über die Stadt und den Cerro Rico. Auf die Besichtigung der Minen verzichten wir. Es geht zwei Stunden unter Tage, teilweise sind die Gänge so eng, dass man kriechen muss, und das ist uns dann doch zu unheimlich. Der Cerro Rico ist inzwischen so von Gängen durchzogen, dass man sich wundern muss, dass er nicht einbricht. Da müssen wir nicht dabei sein.

Diesmal ist es nur eine kürzere Etappe bis Sucre, und auch hier finden wir (dank Navi und ioverlander) den dortigen Campingplatz recht schnell. Zum ersten mal seit längerer Zeit, dass wir wieder andere Reisende treffen: Aus Brasilien, Österreich und ein deutsches Paar, das allerdings in einem Hostal übernachten muss. Ihr Auto ist in Potosí liegengeblieben. Später kommt noch eine französische Familie, so dass der kleine Platz brechend voll ist. Sucre ist eine schöne Stadt mit viel kolonialer Bausubstanz – und der Geburtsort Boliviens. Deshalb kann man im hiesigen Museum auch viel zu der Entstehung und dem Freiheitskampf sehen und hören. Aber auch der Rundgang durch die Stadt ist spannend und entspannend. Am letzten Abend dann gibt es noch brasilianisches Asado. David macht das ganz lecker.

Wir haben beschlossen auf Cochabamba zu verzichten und direkt nach Santa Cruz weiterzufahren. Irgendwie hatten wir genug von Städten. Allerdings sind wir noch unentschieden, welche Strecke wir nehmen. Die erste Hälfte ist asphaltiert, dann aber gibt es zwei Möglichkeiten. Am Abzweig entscheiden wir uns dann für die Erdstraße, sie sieht recht gut gepflegt aus. Allerdings trügt der Schein, wie wir nach ca. 20 km spüren müssen. Sie wird immer kurviger und vor allem staubiger. Stellenweise steht der Staub 10 cm hoch, und zunächst können wir die Löcher in der Straße nicht erkennen. Aber eigentlich kann man davon ausgehen, dass es immer welche hat, wo Staub liegt. Entsprechend langsam geht es vorwärts, mit einer Nacht neben der Straße, bevor wir auf die asphaltierte Straße von Cochabamba nach Santa Cruz kommen. Hier wird die Landschaft zunehmend grüner, zumal wir jetzt (endlich) wieder in tiefere Lagen kommen.

 

Wir würden noch gerne in den Nationalpark Amboro fahren, wenigstens für einen Tag oder eine Nacht. Allerdings ist das nicht so einfach. Eine Zufahrt ist so steil und voller Schlaglöcher, dass wir das mit unserem Auto nicht fahren können. Wir fahren ein kurzes Stück zurück zu einer Lagune (mit Hotel) und hoffen, hier eine Nacht stehen zu können und wenigstens einen kurzen Weg in den Nationalpark gehen zu können. Es handelt sich aber um ein nobles Golfhotel und für Camper ist hier kein Platz. Und Rundgang um den See nur mit Führer. Das ist uns dann doch zu kompliziert, also muss der Nationalpark ohne uns auskommen. Wir fahren weiter nach Santa Cruz.

Dort gestaltet sich die Stellplatzsuche erst mal als kleine Katastrophe. Die Freizeitanlage, die auch Campingplätze anbieten soll, hat das Angebot eingestellt. Also fahren wir zum zweiten Platz, das Hostal Pozazul . Die letzten Kilometer gehen durch tief zerfurchten Sandboden, und am Ende ist kein Hostal und keine Cabanas zu sehen. Niemand kennt das Hostal bzw. kann uns genaueres sagen. Wir versuchen es noch eine Weile, lassen uns zur Laguna Azul schicken – aber dabei handelt es sich nur um eine Wohnanlage. Bald wird es dunkel, also fahren wir wieder zurück zur Freizeitanlage und fragen dort, ob wir für eine Nacht auf dem Parkplatz stehen können. Mit viel Überredungskunst und für 300 Bolivianos für uns beide (ca. 40 Euro) dürfen wir bleiben. Wir können dann zwar am kommenden Tag die Freizeitanlage besuchen, finden das Ganze aber reichlich überteuert. Inzwischen ist es bereits dunkel, so dass wir wohl oder übel hierbleiben.

Am nächsten Tag dann wenigstens duschen und einmal ins dortige Schwimmbad. Auch wenn es die gesamte Nacht und heute morgen wie aus Kübeln schüttet, und das obwohl es jetzt Trockenzeit sein soll. Wir wollen auch noch in die Stadt und den Service für unser Auto machen. Santa Cruz steht unter Wasser, die erste der drei Autowerkstätten gibt es nicht mehr, bei der zweiten fehlen die nötigen Ersatzteile bzw. Filter. Wir haben das ja dabei, also sollte es dann doch gehen – nur um dann daran zu scheitern, dass die Werkstatteinfahrt zu niedrig ist. Also klappt es wieder nicht. Auf die dritte Werkstätte verzichten wir dann und fahren gleich zum Automobilclub Bolivien, wo wir dann relativ ruhig und ungestört die zweite verregnete Nacht verbringen können.

Nicht mit den besten Eindrücken von Santa Cruz geht es weiter. Wir wollen wenigstens zwei der Jesuiten-Missionen besuchen, die erste ist San Javier, nordöstlich von Santa Cruz. Aber zuvor müssen wir erst mal tanken. Das ist hier in Bolivien nicht so einfach, denn die Touristen sollen nicht vom subventionierten und billigen Treibstoff profitieren. Die Tankstellen müssen dann aber für Ausländer eigene Rechnungen ausstellen, was sie entweder nicht können oder nicht wollen. Bisher ging das immer unter der Hand, d.h. wir haben etwa den doppelten Preis bezahlt und der Tankwart hat einen ordentlichen Profit gemacht, weil er das ganze natürlich nicht abgerechnet hat. Aber hier im Osten Boliviens will man uns gleich bei mehreren Tankstellen auf einmal gar kein Diesel mehr verkaufen. So lange mussten wir bisher nie suchen, das nervt dann doch etwas.

Dann ein erster größerer Stau, ca. 10 km geht es stockend oder im Schritttempo weiter. Wie wir erfahren hat es kurz vorher ein „Bloqueo“, eine Straßensperre, gegeben, dann kommt noch eine Polizeikontrolle. Bei San Rafael dann ein weiterer Stau, ein weiterer „Bloqueo“. Aber wir haben Glück, nach nur einer halben Stunde geht es weiter. Dazu noch die Asphaltstraße, die immer löchriger wird. Wir schaffen es gerade noch bei Helligkeit unseren Übernachtungsplatz zu erreichen, etwas außerhalb von San Javier in einem Hostal. Schön gelegen, auch wenn die Anfahrt etwas ruppig war.

Dafür dass die Jesuiten-Missionen zum Weltkulturerbe zählen, sind sie touristisch noch schlecht erschlossen. Die Kirche kann besichtigt werden, ist spannend, und man erfährt einiges über diese Missionsstationen und das Wirken der Jesuiten. Allerdings ist die gesamte Anlage nicht erschlossen bzw. die Gebäude werden anderweitig genutzt. Auch in der Ortschaft selbst gibt es kaum Hinweise auf die Mission. Bis San Javier war die Straße in einigermaßen ordentlichem Zustand, die weitere Straße soll sehr schlecht sein. Deswegen fahren wir auch nicht weiter, sondern wieder zurück auf die asphaltierte Straße zur brasilianischen Grenze. Auch weil es fast ununterbrochen regnet, alle Straßen abseits der Asphaltstraße haben sich inzwischen in rote Schlammlöcher verwandelt, wir sehen Pickups, die bis zur Achse im Schlamm stecken, großen Landwirtschaftsmaschinen werden Ketten auf die Reifen montiert. Wir lernen: Bloß nicht abseits der asphaltierten Straße fahren!

Allerdings erwischt uns der „Bloqueo“ in San Rafael ein weiteres Mal. Diesmal müssen wir 1,5 Stunden warten, bis die Sperre für eine Stunde geöffnet wird. Blockiert wird, weil hier in San Rafael drei Frauen ermordet wurden und die Staatsanwaltschaft bzw. Polizei nach Ansicht der Bevölkerung nichts unternimmt. Es ist nicht zu erkennen, dass die Blockade daran irgendetwas ändern wird, aber wie sagte einer der Blockierer: „Hier in Bolivien werden die Probleme auf der Straße gelöst.“ Und die Bloqueos sind in Bolivien berühmt.

Mit einem Halt in Aguas Calientes, das leider etwas heruntergekommen ist, geht es dann zur brasilianischen Grenze. So halten wir die 30-Tage-Frist, die uns bei der Einreise bewilligt wurde, gerade so ein. Überall in Südamerika bekamen wir ein 90-Tage-Visum, nur hier in Bolivien nur 30 Tage. Man kann das zwar verlängern lassen, ist aber mit zusätzlich Zeit und Aufwand verbunden.

Insgesamt fanden wir, dass Bolivien das bisher schwierigste Land war, in dem wir unterwegs waren. Ein absolut wunderschönes Land, atemberaubende Landschaften, aber die Menschen empfanden wir als recht verschlossen, im östlichen Tiefland teilweise sogar als offen unfreundlich. Dazu die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Diesel und die Touristenpreise, die man überall zahlt (nicht nur für Nationalparks, Museen und Übernachtungen, sondern manchmal auch für Brot und Wasser). Auf der anderen Seite haben wir uns immer sehr sicher gefühlt, einfach weil sich niemand für uns interessiert hat, weder im positiven noch im negativen Sinn.

So gesehen freuen wir uns jetzt einfach auf Brasilien!


2 Kommentare

Bilder sind drin!

Unglaublich, nach genau vier Wochen haben wir nun endlich (TruckStop sei dank) eine so gute Internetverbindung, dass wir die Bilder ohne Probleme hochladen konnten. Sie sind jetzt in den letzten Beitrag eingepflegt – also schnell nachschauen!

Das spornt uns an, uns auch den nächsten Beitrag zu machen. Vielleicht schaffen wir das ja hier (solange wir mangels anderer Plätze mit den TruckStops vorlieb nehmen müssen). Inzwischen sind wir nämlich schon seit einer Woche in Brasilien.